Ein historischer Pilgerweg durch die Lunigiana

Die Via Francigena – dieser uralte Pilgerweg führt auf rund 2.000 Kilometern von Canterbury nach Rom und ist eine der beeindruckendsten Routen Europas. Wer sich auf den Weg macht, durchquert majestätische Kathedralenstädte, überquert die Alpen, schlendert durch sanfte Hügellandschaften und taucht tief in die Geschichte ein. Doch ein ganz besonderes Stück dieser Route, das oft unterschätzt wird, ist die Lunigiana – eine kaum bekannte, aber atemberaubend schöne Region zwischen Ligurien und der nördlichen Toskana. Hier, wo Burgen auf Hügeln thronen, uralte Dörfer Geschichten aus längst vergangenen Zeiten erzählen und das Essen noch nach echter italienischer Tradition schmeckt, erleben Pilger eine der eindrucksvollsten Etappen der Via Francigena.

Eine Reise durch Geschichte und Kultur

Die Via Francigena ist nicht einfach nur ein Weg, sondern ein echtes Kulturerlebnis. Sie wurde schon im Mittelalter von Pilgern, Kaufleuten und Reisenden genutzt, um von Nordeuropa nach Rom zu gelangen. Dokumentiert wurde sie erstmals 990 n. Chr. durch Sigeric von Canterbury, einen englischen Erzbischof, der seinen Rückweg von Rom akribisch notierte. Der Weg schlängelt sich durch vier Länder:

  • England (Start in Canterbury, Überfahrt nach Frankreich)
  • Frankreich (durch die Champagne und Burgund)
  • Schweiz (über den Großen Sankt Bernhard-Pass)
  • Italien (von Aosta bis Rom – mit dem Highlight Lunigiana!)

Während viele Pilger besonders auf die Toskana oder das Ankommen in Rom gespannt sind, liegt einer der verborgenen Schätze der Route direkt davor: die Lunigiana.

Geheimtipp auf der Via Francigena

Die Lunigiana ist eine wenig bekannte, aber unglaublich faszinierende Region im äußersten Norden der Toskana, angrenzend an Ligurien. Ihr Name stammt von der antiken römischen Stadt Luni, die einst ein bedeutendes Handelszentrum an der Küste war. Heute ist die Region bekannt für ihre mittelalterlichen Burgen, wilde Natur und authentische italienische Kultur – und genau das macht sie zu einem einzigartigen Abschnitt auf der Via Francigena. Die Lunigiana durchquert man als Pilger in mehreren Etappen – hier ein kleiner Überblick:

Ankunft in Pontremoli – Die meisten Pilger erreichen die Lunigiana über Pontremoli, eine malerische Stadt mit einer beeindruckenden Altstadt und Burgruine. Hier fühlt man sich ins Mittelalter zurückversetzt, wenn man durch die engen Gassen schlendert. Ein absolutes Muss: ein Stopp in einer lokalen Bäckerei, um das berühmte „Torta d’erbi“, einen Kräuterkuchen, zu probieren. Von Pontremoli geht es weiter durch eine Landschaft, die aussieht wie aus einem Fantasy-Roman. Die Route führt vorbei an winzigen Dörfern wie Filattiera und Filetto, die voller Geschichte stecken. Überall entlang des Weges stößt man auf Burgen – viele davon wurden von den Malaspina, einer alten Adelsfamilie, errichtet.

Die mystische Burg von Fosdinovo

Ein Highlight der Strecke ist Fosdinovo, eine spektakulär gelegene Burg, die einen unglaublichen Blick über das Tal und bis ans Meer bietet. Die Burg ist von Geistergeschichten umgeben – angeblich spukt hier noch der Geist der Malaspina-Tochter Bianca Maria! Ein Stopp hier lohnt sich nicht nur wegen der Legenden, sondern auch wegen der authentischen toskanischen Küche.

Sarzana – Der Abschied von der Lunigiana

Nach Fosdinovo führt der Weg hinab in die historische Stadt Sarzana, die schon fast an der ligurischen Küste liegt. Hier endet die Durchquerung der Lunigiana und es geht weiter Richtung Lucca und Siena – aber der magische Charme dieser Region bleibt lange in Erinnerung.

Fazit

Wenn du auf der Via Francigena unterwegs bist, solltest du dir unbedingt Zeit nehmen, um die Lunigiana bewusst zu erleben. Diese Region ist ein kleines Paradies für alle, die Geschichte, Natur und echtes italienisches Flair lieben. Egal, ob du die gesamte Strecke von Canterbury nach Rom gehst oder nur eine Etappe wählst – die Lunigiana wird dich für immer verzaubern!

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